#1 Klage gegen Zweitstudienquote von IB 16.08.2013 13:18

Guten Tag,
ich habe von einem Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen gelesen, dass eine Wartezeit von sechs Jahren als unzumutbar betrachtet. Der Kläger hatte die Begründung, diese Wartezeit sei verfassungswidrig.
Da ich schon einmal studiert habe, muss ich mich mit der Zweitstudienquote rumschlagen, die keine Planungsgrundlage ermöglicht, da die Begründungen willkürlich und intransparent bewertet werden.
Wissen Sie ob es schon Versuche gab, die Zweitstudienbewerbung an sich gerichtlich anzufechten (z.Bsp. wegen Verfassungswidrigkeit) ? Ich kenne das Gegenargument, dass man schon einmal auf Staatskosten studiert hat. Allerdings sprechen aus meiner Sicht mehr Gründe dagegen:

- freie Berufswahl heißt auch, einen neuen Beruf wählen zu dürfen, ohne es tiefer begründen zu müssen, weshalb eine isolierte und zutiefst intransparente Bewertung der Bewerber nicht rechtmäßig ist.

- sehr viele Leute, die eine legitime Begründung hätten, werden abgelehnt und es besteht durchaus das Risiko, dass die niemals zugelassen werden.

- die jetzige Regelung geht an der Realität vorbei: mit einem Bachelor kann man keinen Beruf ausüben, zumindest in der Naturwissenschaften nicht. Das weiß jeder Naturwissenschafter. Trotzdem wird es so gewertet, weil es offiziell als berufsqualifizierend gilt. Das ist einzig und allein ein Schlupfloch, womit Leute aussortiert werden. Zu Diplom-Zeiten konnte man sich nach vier Jahren noch normal bewerben.

Hinzu kommt, dass es dieses Verfahren in anderen Ländern gar nicht gibt und man beispielsweise in der Schweiz niemals als Zweitstudienbewerber gelten würde.

Mich würde Ihre Meinung dazu interessieren oder eine Info, ob es schon Schritte in diese Richtung gegeben hat.

Vielen Dank schon einmal !

#2 RE: Klage gegen Zweitstudienquote von Zimmerling 23.08.2013 08:12

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Die Rechtsprechung hat bislang keine Bedenken gegen die (geringe) Zweitstudienbewerberquote. Der grundrechtliche Schutz für ein Zweitstudium ist hiernach wesentlich geringer als für das Erststudium. Dies kann jedoch dann nicht gelten, wenn ein Studienbewerber für ein Zweitstudium nachweisen kann, dass der Abschluss des Erststudiums keine Existenzgrundlage bietet. Bislang haben die Gerichte bei einer entsprechenden Argumentation stets irgendwelche angeblichen Arbeitsplätze gefunden, die - abstrakt - von dem betreffenden Studienbewerber für das Zweitstudium besetzt werden können. Von daher dürfte es äußerst schwierig und kostenspielig werden, gegen die Zweitstudienquote zu klagen.

Soweit es um einen Zweitstudienquote geht, ist völlig offen, ob sich die Hochschule insoweit anwaltlich vertreten lässt. Manche Hochschulen lassen sich stets anwaltlich vertreten, viele Hochschulen nur in den Kapazitätsprozessen. Um dies im einzelnen zu ergründen, müssen wir wissen, bei welcher Hochschule über die Zweistudienquote gestritten werden soll.

#3 RE: Klage gegen Zweitstudienquote von IB 24.08.2013 14:32

Vielen Dank für Ihre Antwort !
Ich bin davon ausgegangen, dass man gegen Hochschulstart direkt klagen muss, da das auf dem Ablehnungsbescheid so angegeben ist und es um die grundsätzliche Verfassungsmäßigkeit geht. Ist das nicht der Fall ?

#4 RE: Klage gegen Zweitstudienquote von Zimmerling 26.08.2013 11:37

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Sie haben in Ihrem Beitrag vom 26.08.2013 verheimlicht, um welchen Studiengang es geht. Nur in den Studiengängen des zentralen Vergabeverfahrens ist die Stiftung zuständig, ansonsten sind es die Hochschulen. Von daher habe ich in meiner Antwort auf beide möglichen Verfahren abgestellt.

#5 RE: Klage gegen Zweitstudienquote von IB 10.09.2013 15:59

Meine Anfrage galt dem Fach Medizin. Halten Sie es für sinnvoll, aus den genannten Gründen eine Klage oder Verfassungsbeschwerde anzustreben ?

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