#1 Widerspruch bzw. Studienplatzklage für Master von vida88 19.07.2014 15:44

Guten Tag,

ich hätte eine Frage bzgl. eines möglichen Widerspruchs/Klage für einen Masterstudienplatz.

Mit einer aktuellen Bachelornote von 2,4 (das Studium ist noch nicht beendet, da noch zwei Noten ausstehen) habe ich mich für den Master "Management" an der Uni Mainz beworben, nun aber eine Ablehnung erhalten. Der Ablehnungsbescheid enthält die Begründung, dass die Anzahl der Anträge/Bewerbungen die Anzahl der Studienplätze übersteigt.

Das Auswahlverfahren wurde in den zwei Quoten "Wartezeit" sowie "Auswahlverfahren der Hochschule" durchgeführt. Hierbei beträgt der Grenzrang nach Wartezeit 44 sowie nach dem Auswahlverfahren der Hochschule 176. Insgesamt haben sich 453 Leute auf 150 Studienplätze beworben. All diese Angaben sind innerhalb des Ablehnungsbescheids in einer Tabelle dargestellt, unter welcher sich der Hinweis befindet, dass die universitätsintern festgelegten Überbuchungen in jener Tabelle enthalten seien.

Für mich stellen sich hierbei nun mehrere Fragen:

1. Offenbar wird die berechnete Wartezeit für die Quote "Wartezeit" ab dem Erlangen der Hochschulreife gezählt. Eine Kommilitonin hat sich ebenfalls für den genannten Studiengang beworben und besitzt keine Wartezeit seit dem Bachelor (da Studium ebenfalls noch nicht beendet), allerdings aber zwischen Abitur und Bachelorbeginn. Somit liegt sie in der Rangreihenfolge der Quote "Wartezeit" 16 Plätze vom Grenzrang entfernt, obwohl sie einen sehr viel schlechteren Bachelorschnitt aufweist. So sehr ich ihr einen Platz gönnen würde: Ist es rechtens, auch diese Wartezeit vor dem Bachelor in das Auswahlverfahren für Masterplätze miteinfließen zu lassen? Prinzpiell hat diese Wartezeit ja nichts mehr mit dem Master zu tun. Falls nicht, ist es aussichtsreich, dagegen Widersprich einzulegen?

2. Laut des Ablehnungsbescheids ergibt sich jene Möglichkeit, innerhalb eines Monats Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen. Dieser muss begründet werden. Erscheint dies mit dem Verweis auf Nicht-Ausschöpfung der Kapazitäten oder der unter 1.) genannten Beachtung der Wartezeit aussichtsreich? Bzw. erscheint auch eine potentielle Klage bei Ablehnung des Widerspruchs realistisch?

3. Soweit ich Ihrem Forum entnehmen konnte, lässt sich die Uni Mainz anwaltlich vertreten. Erscheinen Widersprüche bzw. Klagen dadurch gleichzeitig chancenloser oder hat das "nur" Einfluss auf die Kosten?

4. Haben Sie Erfahrungswerte, inwiefern Widersprüche und Klagen im Fall der Uni Mainz generell erfolgsversprechend sind bzw. in der Vergangenheit waren?

5. Ich würde gerne noch am Nachrückverfahren teilnehmen. Könnte ein Widerspruch zu Benachteiligungen hinsichtlich des Nachrückverfahrens führen?

Vielen Dank für die Hilfe!

#2 RE: Widerspruch bzw. Studienplatzklage für Master von Klein 19.07.2014 18:33

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Vorbehaltlich einer Antwort, die Herr Dr. Zimmerling ggf. noch geben wird, darf ich schon mal kurz Stellung nehmen:

1. Nein! Die Wartezeit wird bei konsekutiven Studiengängen ab Erwerb des Bachelor gerechnet (Für "Paragraphenreiter": § 6 Abs. 4 Hochschulauswahlsatzung Uni Mainz i.V.m. § 24 Abs. 5 Studienplatzvergabeverordnung Rheinland-Pfalz: "Die Rangfolge [bei der Wartezeitvergabe] wird durch die Zahl der seit dem Erwerb der Bachelorabschlussprüfung verstrichenen Halbjahre bestimmt.") Falls die Uni Mainz tatsächlich die Wartezeit falsch berechnet haben sollte (was ich bezweifle), wäre ein Widerspruch grundsätzlich Erfolg versprechend, allerdings auch nur dann, wenn Sie bei korrekter Berechnung einen Studienplatz erhalten hätten. Da Sie das Bachelorstudium noch nicht beendet haben und somit noch keine Wartezeit gesammelt haben, wäre dies vorliegend also Unfug.

2. Mit dem Ablehnungsbescheid wurde Ihre Bewerbung innerhalb der festgesetzten Kapazität abgelehnt. Ein konkretes Vorgehen (Widerspruch, Klage) gegen diesen Bescheid hätte nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn diese Ablehnung rechtswidrig gewesen wäre. Dies wäre z.B. dann der Fall, wenn Ihre Wartezeit falsch berechnet worden wäre (s.o.) oder sonstige Kriterien, aufgrund derer Sie einen besseren Rangplatz hätten erhalten sollen, nicht berücksichtigt worden wären. Studienplätze außerhalb der festgesetzten Kapazität kann man nicht mit Rechtsmitteln gegen diesen Verwaltungsakt erstreiten. Hierfür muss ein anderer Weg eingeschlagen werden: Die normale Studienplatzklage. Gegebenfalls sind wir natürlich gerne bereit, Sie zu vertreten.

3. Die Uni Mainz lässt sich regelmäßig in den medizinischen Studiengängen und in Psychologie vertreten. Ob sie ihren Anwalt auch mit der Verteidigung in einer Studienplatzklage auf Zulassung zum Masterstudium Management beauftragt, lässt sich im Vorfeld nicht sicher prognostizieren. Allerdings sollte man natürlich sicherheitshalber (wegen der Kostenkalkulation) damit rechnen. Irgendeinen Einfluss auf die Erfolgschancen einer Klage hat diese anwaltliche Vertretung jedenfalls nicht.

4. Das kommt natürlich immer auf den Einzelfall an. Es ist uns aber in der Vergangenheit in verschiedenen Studiengängen sehr häufig gelungen, der Uni Mainz eine fehlerhafte Kapazitätsberechnung nachzuweisen und damit für unsere Mandanten weitere Studienplätze zu erstreiten. Ein Widerspruch alleine wird aber kaum irgendetwas bringen. Wenn, dann wird man gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

5. Nein! Eine Benachteiligung, nur weil ein Bewerber sich gegen den ergangenen Bescheid wehrt, ist nicht möglich.

Ich hoffe, das hilft Ihnen etwas weiter. Für das Nachrückverfahren wünsche ich viel Erfolg. Wenn Sie eine Studienplatzklage gegen die Uni Mainz führen wollen, hat dies in der Tat auch noch etwas Zeit. Insoweit ist in Rheinland-Pfalz keine Frist normiert. Wenn Sie uns (oder einen schlechteren Anwalt ) irgendwann bis Mitte September beauftragen, reicht das dicke.

#3 RE: Widerspruch bzw. Studienplatzklage für Master von vida88 22.07.2014 00:18

Vielen Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort! Über eine potentielle Klage werde ich nochmal nachdenken.

#4 RE: Widerspruch bzw. Studienplatzklage für Master von Zimmerling 23.07.2014 13:54

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In den meisten Bundesländern spielt die Wartezeit bei der Zulassung zum Masterstudium keine Rolle (gleiches gilt vielfach auch für Härtefälle). In Rheinland-Pfalz gilt für die Wartezeit jedoch eine andere Regelung. Nach der Studienplatzverordnung Rheinland-Pfalz wird die Wartezeit ab Abschluss des Bachelorstudiums gezählt. Streiten kann man alsdann, ob maßgeblich die letzte Prüfung im Bachelorstudiengang ist oder der Zeitpunkt der Aushändigung des Zeugnisses. Die Studienplatzvergabeverordnung Rheinland-Pfalz ist insoweit unklar, weil diese abstellt auf die "verstrichenen Halbjahre" seit "Erwerb der Bachelorabschlussprüfung". Dies ist sprachlich missglückt.

#5 Widerspruch bzw. Studienplatzklage für Master von la_mimi 05.08.2014 12:00

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mich für das Wintersemester 2014/15 für den Masterstudiengang 'Master in Marketing' an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beworben und am Freitag, den 01.08.2014 einen Ablehnungsbescheid erhalten, mit der Begründung, dass ich im Qualifikationsfeststellungsverfahren nur 64 statt nötiger 70 Punkte erreicht habe.
Insagesamt wurden die Kriterien Bachelornote, Auslandserfahrung, Praktika, Englisch-Kenntnisse, Marketing-Kenntnisse, Exposé und Statistik-Kenntnisse bewertet. Bei dem Kriterium Bachelornote habe ich 26 von insgesamt 60 Punkten, bei Auslandserfahrung 0 von insgesamt 5 Punkten, bei Praktika 2 von insgesamt 5 Punkten, bei Englisch-Kenntnissen 5 von insgesamt 5 Punkten, bei Marketing-Kenntnissen 11 von insgesamt 15 Punkten, bei Exposé 10 von insgesamt 20 Punkten und bei Statistik-Kenntnissen 10 von insgesamt 10 Punkten erhalten.
Ich habe bereits meinen Bachelor of Arts in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt BWL und Marketing-Vertiefung an der FAU abgelegt und bin der Meinung, dass ich in einigen Bewertungskriterien nicht richtig bewertet wurde. Bei den Marketing-Kenntnissen habe ich nur 11 von 15 Punkten erhalten, obwohl ich sogar von der Uni eine Marketing-Vertiefung im Bachelorzeugnis angerechnet bekommen habe. Aus bei der Bewertung des Exposé fühle ich mich ungerecht bewertet, da ich der Meinung bin, dass die Bewertung eines Exposeés doch immer von der Person abhängt, welche das Exposé liest. Auch die Bewertung meines 6-mnonatigen Praktikums im Bereich Marketing ist mit 2 von 5 Punkten meiner Meinung nach ungerecht. Ebenfalls sind 26 Punkte für meine Bachelornote (2,47) von 60 Punkten nicht nachvollziehbar. Auch, dass die Auslandserfahrung bewertet wird, ist ungerecht, da ich es mir während meinem Studium nicht leisten konnte ins Ausland zu gehen und dadurch irgendwie ein "2-Klassen-Gesellschaft" entsteht, da Bewerber, die das nötige Kleingeld für ein Auslandssemester aufbringen können bei der Vergabe von Masterstudienplätzen bevorzugt werden.
Zudem werden jedes Wintersemester immer nur 60-70 Plätze in diesem Masterstudiengang vergeben, obwohl andere Masterstudiengänge über 100 Plätze vergeben können.
Deshalb habe ich mir überlegt gegen meinen Ablehnungsbescheid Klage einzureichen und wollte von Ihnen eine Einschätzung, ob es sich lohnen würde zu klagen und auch welche Kosten auf mich zu kommen würden.

Viele Grüße

#6 RE: Widerspruch bzw. Studienplatzklage für Master von Ben Zimmerling 05.08.2014 15:01

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Grundsätzlich ist die Frage des Qualifikationsfeststellungsverfahrens eine Frage, wie die Masterstudienplätze nach der jeweiligen Vergabeverordnung vergeben werden. Im Rahmen eines solchen Feststellungsverfahrens hat man durchaus viel Potenzial zu streiten. In der Vergangenheit hatten wir in solchen Fällen sehr hohe Erfolgsquoten. Garantieren kann man Ihnen selbstverständlich insoweit nichts. Genauere Informationen und Erfolgsaussichten kann man Ihnen jedoch erst mitteilen, wenn sowohl Ihr Ablehnungsbescheid als auch die jeweils einschlägigen Verordnungen überprüft wurden.

Soweit Sie anmerken, dass lediglich 60-70 Plätze vergeben werden, ist dies eine Frage der jeweiligen Festsetzung der Zulassungszahlen. Hierüber kann man ebenfalls sehr gut streiten.

Grundsätzlich kann man Ihnen, ohne die jeweiligen Verordnungen überprüft zu haben, dass ein Vorgehen gegen Ihren Ablehnungsbescheid sehr wohl Aussicht auf Erfolg haben kann. Wie bereits gesagt müssten wir jedoch die notwendigen Unterlagen zunächst überprüfen.

Im Hinblick auf Ihre Frage nach einer Klage stellt sich die Frage, welches Rechtsmittel gegen Ihren Ablehnungsbescheid das richtige ist. Im Falle der Klage werden sofort Kosten produziert. Problematisch an einer Klage ist darüber hinaus, dass je nach Verwaltungsgericht ein bis zwei Jahre bis zu einer gerichtlichen Entscheidung vergehen können. Im Rahmen der Zulassungsverfahren für Masterstudiengänge verfolgen wir daher üblicherweise den einstweiligen Rechtsschutz (Eilverfahren). Soweit nach Ihrem Ablehnungsbescheid Sie jedoch gezwungen werden, eine entsprechende Klage einzureichen, bedeutet dies, dass man ein Klageverfahren neben einem einstweiligen Anordnungsverfahren durchführen müsste.

Welche Kosten in Ihrem Fall anfallen können, hängt daher von dem Rechtsmittel auf Ihrem Ablehnungsbescheid ab, der Frage, ob Sie sich selbst anwaltlich vertreten lassen wollen und ob sich die gegnerischen Universität anwaltlich vertreten lässt.

Es bietet sich an, dass Sie unverbindlich telefonisch zu uns Kontakt aufnehmen. In diesem Fall können wir Ihnen genau auf Ihren Fall angepasst entsprechende Auskünfte geben.